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Ein kleines bisschen (von so viel) Wahrheit

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Der lange Sommer der Rebellion in Oaxaca/Mexiko.

Was mit einem Streik der LehrerInnen für bessere Löhne und soziale Bedingungen begann, führte im Sommer 2006 zu einer beispiellosen Rebellion und breiten Solidarisierung der Bevölkerung im südmexikanischen Staat Oaxaca. Über Monate hinweg werden Strassen blockiert, Regierungsgebäude besetzt, die Stadt in Selbstverwaltung regiert und die Absetzung des verhassten Gouverneurs Ulises Ruiz Ortiz gefordert.

Die ProtagonistInnen selbst berichten in vielseitigen Interviews über den Ablauf und die Hintergründe der Rebellion. Eine Schlüsselrolle spielen dabei ein TV- und 14 Radiosender, die von AktivistInnen der Grasswurzel-Bewegungen besetzt werden. Die Sender entwickeln sich zum wichtigsten Kommunikationsinstrument im Kampf für soziale, ökonomische und kulturelle Gerechtigkeit.

'Die Kommune von Oaxaca', wie sie von einigen bezeichnet wird, sieht sich einer blutigen Repression ausgesetzt, die an die lateinamerikanischen Diktaturen der 70er Jahren erinnert.

"Ein kleines bisschen von so viel Wahrheit" führt mit viel Geschick das Videomaterial von mehreren engagierten MedienmacherInnen zusammen. Das Ergebnis ist eine intime und atemberaubende Erzählung von historischer Bedeutung.

DVD 93 Minuten
Spanisch mit deutschen, englischen, französischen, portugiesischen und italienischen Untertiteln.

Ein Film von Jill Freidberg, der preisgekrönten Filmemacherin von Granito de Arena und This is What Democracy Looks Like
Produktion: corrugated films und mal de ojo
Lizenz: Creative Commons by-nc-nd


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von - Montag, 21. April 2008
Der Film wird am 6. Mai 2008 um 20Uhr im Weltladen Heidelberg (Altstadt, Heugasse 2, Nähe Hauptsraße) innerhalb des Festival Latino gezeigt. Eintritt ist frei - Interessierte sind herzlich willkommen! 06221-22771
von - Dienstag, 29. April 2008
Quelle: http://www.jungewelt.de/2008/04-29/011.php

Oaxaca 2006
Der Lange Sommer der Rebellion auf DVD
Von Walter Hanser

Man wollte ja nur ein bißchen von soviel Wahrheit, sagt eine Aufständische und blickt in die Kamera – einer von vielen Momenten, die diesen Dokumentarfilm sehenswert machen. Was mit einem Streik von Lehrern für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen im Süden Mexikos begann, führte im Sommer 2006 zu einer Rebellion. Am 14. Juni entsandte die Regionalregierung 3000 Polizisten, um den Streik niederzuschlagen. Die Bevölkerung von Oaxaca-Stadt solidarisierte sich. Nach siebenstündiger Schlacht waren die Polizisten vertrieben. Die »Versammlung der Völker von Oaxaca« (APPO) wurde gegründet.

Vieles läuft grundfalsch in diesem Bundesstaat, einem der ärmsten Mexikos. »Unsere Kinder fallen von der Schulbank wie ausgehungerte Vögelchen vom Baum«, versinnbildlicht ein Vater aus der Gegend, in der die Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) herrscht, unter Führung des verhaßten Gouverneurs Ulises Ruiz Ortiz, dessen Arroganz in kurzen TV-Ausschnitten deutlich wird. Er soll verschwinden, lautet die Forderung der Aufständischen. Über Monate werden Straßen blockiert, Regierungsgebäude besetzt – die Stadt verwaltet sich selbst.

Eindrucksvolle Bilder von Aufbrüchen und Rückschlägen, von teilweise ganz alltäglichen Kämpfen, präsentiert die renommierte Dokumentarfilmerin Jill Freidberg (»Granito de Arena«, »This is What Democracy Looks Like«). Es geht um die Organisation der »Commune von Oaxaca«, die von Juli bis November 2006 existierte. Oder um die Kommerzialisierung eines Volksfests, das auf ein indianisches Schenkritual zurückgeht. Im Zentrum des Films steht die Bedeutung der Medien. Ein Fernseh- und 14 Radiosender werden zwischenzeitlich besetzt, was eine Mobilisierung der Bevölkerung ermöglicht. Im Radio wird festgelegt, was gebraucht wird. Im Radio erfahren die Rebellen, was die Leute aus der Nachbarschaft mitzutragen bereit sind und was sie erwarten. Im nachhinein üben Aktivisten Selbstkritik: Die Medien hätten sich aufs bloße Mobilisieren beschränkt, gesellschaftliche Ziele seien zu wenig diskutiert worden.

Immer wieder erstaunen Mut und Ausdauer der Leute aus Oaxaca, die nachts auf die Straßen gehen, wenn Todesschwadrone durch die Stadt ziehen wie in den lateinamerikanischen Diktaturen der 70er Jahre. Diese Szenen sind viel gelungener als die kurze Straßenschlacht-Sequenz, die an MTV erinnert und mit Hardcore-Metal unterlegt ist. Eine kraftstrotzende Inszenierung, die bessere Aufnahmen konterkariert: Bilder vom Bau der tausend Barrikaden, die Nacht für Nacht in einer Art Volksfest verteidigt werden. Oder das Bild von einer älteren Frau, die auf einen Polizeikordon zuläuft und die Polizisten an ihre Würde erinnert. Bilder wie diese erinnerten viele Beobachter der »Commune von Oaxaca« an die spanische Revolution 1936. Sie zeigen, was in unseren Breitengraden verschüttet zu sein scheint: soziale Empörung, Erhebung und Solidarität.

»Ein klein bißchen (von so viel) Wahrheit«, Regie: Jill Freidberg, 93 min., Corrugated Films & Mal de Ojo TV
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