Der vierte Weltkrieg

Der Vierte Weltkrieg taucht uns in die vordersten Fronten aktueller sozialer Konflikte in Mexiko, Argentinien, Israel/Palästina, Korea, Südafrika, Nordamerika und Europa ein.

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Millionen Obdachlose in Südafrika kämpfen für das Recht auf eine Unterkunft und gegen die Wasserprivatisierung. In Chiapas vertreiben Indigenas die Armee der mexikanischen Regierung, die ihr Land an den globalen Markt ausverkauft. Nach dem ökonomischen Zusammenbruch in Argentinien im Dezember 2001, sehen wir den Aufstand und den Versuch einer Bevölkerung, ein Leben jenseits von Staat und Markt zu organisieren.

            
Normaler Preis DVD (15.00€)
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Nach einer drastischen Liberalisierung des Arbeitsmarktes in Süd-Korea 1997 gehen Millionen Arbeiter und Arbeiterinnen auf die Straße in einem der größten Streiks der jüngsten Geschichte. Massiver ziviler Ungehorsam gegen Wirtschafts- und Regierungsgipfel in Quebec und Genua lösen bürgerkriegsähnliche Zustände in den Metropolen der Industriestaaten aus.

Hier kommen Menschen zu Wort, die sich weigern sich dem Terror zu beugen und die ihre Träume von einer gerechten Welt nicht durch Armeen, Angst oder Verzweiflung besetzen lassen.

Ein Film, der mit inspirierenden Bildern und poetischen Worten über die weltweiten sozialen Bewegungen gegen Neoliberalismus erzählt. Er zeigt eine Welt, die zunehmend auf Gewalt und den sogenannten „Krieg gegen den Terror" angewiesen ist, um ihre Regierbarkeit aufrecht zu erhalten. Es sprechen die Dichterin und Aktivistin Suheir Hammad und Sänger Michael Franti (Spearhead).

Mehrsprachige DVD - 74 Minuten von Big Noise Films
Englischer Originalton mit Untertiteln auf Deutsch, Französisch und Spanisch

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von Cine Rebelde - Samstag 12 April, 2008
Filmbesprechung: Der Vierte Weltkrieg
Erläuterungen, Kommentare und Kritik zum Film. cine rebelde - August 2004

Der Vierte Weltkrieg ist der neueste Film von Big Noise, einem Kollektiv von unabhängigen MedienaktivistInnen aus New York. Nachdem der Film nun auch in andere Sprachen übersetzt wurde und auf einer mehrsprachigen DVD erhältlich ist, findet er zur Zeit seinen Weg auch auf den europäischen Kontinent.

Der Vierte Weltkrieg ist ein Film, der mit inspirierenden Bildern und poetischen Worten von den weltweiten sozialen Bewegungen gegen den Neoliberalismus berichtet, indem er mehrere bekannte Brennpunkte der letzten Jahre aufgreift. In Form von Bildern wird uns ein Rückblick oder eine Art „historische Momentaufnahme“ der letzten Jahre vor Augen geführt.

Millionen Obdachlose in Südafrika kämpfen für das Recht auf eine Unterkunft und gegen die Wasserprivatisierung.
In Chiapas vertreiben Indigenas die Armee der mexikanischen Regierung, die ihr Land an den globalen Markt ausverkauft.
Nach dem ökonomischen Zusammenbruch in Argentinien im Dezember 2001 sehen wir den Aufstand und den Versuch einer Bevölkerung, ein Leben jenseits von Staat und Markt zu organisieren.
Nach einer drastischen Liberalisierung des Arbeitsmarktes in Süd-Korea 1997 gehen Millionen Arbeiter und Arbeiterinnen auf die Straße in einem der größten Streiks der jüngsten Geschichte.
Massiver ziviler Ungehorsam gegen Wirtschafts- und Regierungsgipfel in Quebec und Genua lösen bürgerkriegsähnliche Zustände in den Metropolen der Industriestaaten aus.
Aber wieso 'Der Vierte Weltkrieg'? Wann war denn der 'Dritte Weltkrieg'? Wer sind denn die Zapatistas?

Im Januar 1994, als das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) in Kraft tritt, beginnt gleichzeitig ein Aufstand der indigenen Bevölkerung im Südosten Mexikos. Mehrere Städte werden erobert und zu autonomen Gebieten erklärt. Die Rebellen nennen sich Zapatistas und rufen "Ya Basta!" (Es reicht). Sie kämpfen für Würde, für den Erhalt ihrer Kultur und um nicht in Vergessenheit zu geraten. Sie sprechen vom "Vierten Weltkrieg": vom Kampf gegen den "Neoliberalismus" und für eine Welt, in der viele Welten Platz haben.

Die Zapatistas sind eine der ersten sozialen Bewegungen, die nach dem Ende des "Kalten" Krieges einen besonderen politischen Diskurs prägen und weltweite Aufmerksamkeit auf sich lenken können. Hier ein kurzer Abriss einiger Hauptmerkmale ihres politischen Diskurses:

Der Kalte Krieg - von der Nachkriegszeit bis zur Wende - wird von den Zapatistas als Dritter Weltkrieg begriffen. Die Sowjetunion und die sozialistischen Staaten zerfielen und damit löste sich die bipolare Welt auf. Der Siegeszug des Kapitalismus als einzig mögliche Organisationsform der Gesellschaft wurde mit "dem Ende der Geschichte" [1] ideologisch festgeklopft und der Vierte Weltkrieg eingeläutet.

Jeder Weltkrieg ging mit einer geopolitischen und ökonomischen Reorganisation der Welt einher. Nach der Wende wurde der Neoliberalismus & die Globalisierung der Marktlogik (Liberalisierung des Marktes, Konkurrenz...) die Hauptstrategie zur Verwaltung der unterworfenen Welt. Diese Strategie ermöglicht eine Expansion des Kapitalismus, der neue Gebiete gewinnt (sozialistischer Block, China, neue Märkte...) und in neue Bereiche unseres Lebens eindringt (Patente auf Leben, Privatisierung des Wassers etc).

Der Neoliberalismus zerstört Gebiete, reorganisiert sie und teilt ihnen neue Rollen im Gefüge der Weltwirtschaft zu, damit sie weitere Gewinne einbringen. Der Gegner des Dritten Weltkriegs ist verschwunden (das sozialistische Lager), nun ist der Gegner des Vierten Weltkriegs die ganze Menschheit. Alles was ein Hindernis für den Zugang zum globalen Weltmarkt darstellt, wird zum Gegner. "Jeder Mensch, der sich weigert eine Produktions- und Konsummaschine zu werden wird zum Gegner und muss zerstört werden. Nicht physisch, aber als Mensch." (Marcos). Der neoliberale Globalisierungsprozess äussert sich zu Beginn - d.h. im Laufe der 90er Jahre - am deutlichsten in den regionalen Freihandelszonen wie der EU, NAFTA oder APEC.

Der Vierte Weltkrieg wird jedoch von einem paradoxen Effekt begleitet: die Fragmentierung. Während der Weltmarkt Handelsregeln und Gesellschaften homogenisiert, zerstückelt sich die Welt und hinterlässt eine Art Archipel. Das Konkurrenzfähige setzt sich auf dem Markt durch, alles andere wird ausgeschlossen, ausgegrenzt, im schlimmsten Fall vernichtet.

Alles was "anders" ist, sich nicht verwerten oder eingliedern lässt, wird jedoch sichtbarer und taucht deutlicher auf. Diese "Anderen" multiplizieren ihr Anderssein, suchen nach einer eigenen Identität und erscheinen. Es sind die Ausgeschlossenen, die nicht Konkurrenzfähigen, die Überflüssigen, die Unverwertbaren, die Ungehorsamen usw.... viele soziale Kämpfe, die sich in ihrer Vielfalt nun global äußern und gegenseitig wahrnehmen.

Deshalb ist der Vierte Weltkrieg in den Augen der Zapatistas ein Kampf gegen die Logik des Neoliberalismus und für die Schaffung einer Welt, in der viele Welten Platz haben.

Um Aufmerksamkeit auf ihren Kampf zu lenken und ihre Impulse weltweit weiterzutragen luden die Zapatistas 1996 zum sogenannten "intergalaktischen Encuentro". Über 4.000 TeilnerhmerInnen sozialer Initiativen der ganzen Welt pilgerten bis in die Berge des lakandonischen Dschungels. Dort wurde dazu aufgerufen ein weltweites Kommunikationsnetzwerk aufzubauen, ohne zentrales Büro und Parteikader. Die Bilder und Worte der maskierten Zapatistas gingen um die ganze Welt und gaben einen entscheidenden Impuls, um einen neuen Zyklus weltweiter sozialer Bewegungen in Gang zu setzen.

Am deutlichsten äusserte sich die neue Qualität in weltweiten massiven Mobilisierungen gegen Regierungsgipfel auf denen Freihandelsabkommen verabschiedet wurden, gegen multilaterale Institutionen der globalen Weltordnung wie die WTO, der IWF, die Weltbank oder die NATO. Doch auch Aufstände gegen die Privatisierung von Wasser in Bolivien oder Verbrennungen von genmanipuliertem Baumwollanbau in Indien wurden von vielen als Teil des gleichen Kampfes begriffen.

Dieser vielfältige und komplexe Prozess erstreckt sich nun seit mehreren Jahren über den ganzen Erdball. Ob man ihn nun "Vierter Weltkrieg" oder "Neoliberalismus vs Menschheit" oder "Empire vs Multitude" oder "Globalisierung vs soziale Bewegungen" nennt ... Tatsache ist, dass in allen Ecken der Welt eine ähnliche Logik wahrgenommen wird, und überall und immer mehr verschiedene Facetten dieser Logik bekämpft werden.

Der Film „Der Vierte Weltkrieg“ bezieht sich in erster Linie auf diese Auseinandersetzung. Später wollen wir noch auf weitere Aspekte des Vierten Weltkriegs im aktuellen Kontext zu sprechen kommen.

"Wir sind keine Filmemacher, die nach Themen zum Berichten suchen, wir sind Zapatistas die Filmkameras als Instrumente im Kampf benutzen"
- Rick Rowley, Big Noise

Der Zapatistische Einfluss der FilmemacherInnen ist unübersehbar. Der Aufstand indigener sozialer Bewegungen im Südosten Mexikos im Jahre 1994 hatte sie bereits dazu bewegt ihre Kreditkarten zu überziehen, sich Digitalkameras anzuschaffen und nach Chiapas zu reisen, um dort die inspirierenden Geschehnisse zu dokumentieren.
"fragend gehen wir"

In zapatistischer Tradition wirft der Film „Der Vierte Weltkrieg“ mehr Fragen auf als, dass er welche beantwortet.

Die Vorgehensweise der FilmemacherInnen erinnert an die Zapatistas, die im März 2001 aus ihren Bergen herunterkamen und durch das ganze Land bis nach Mexiko Stadt zogen, in dem sie anderen Menschen begegneten, erzählten und zuhörten, von ihren Erfahrungen sprachen und Fragen stellten. Die FilmemacherInnen nehmen die Zuschauerin mit auf eine Reise, die sich über den ganzen Erdball hinzieht mit Fragen wie: Wo kommt der Krieg her? Wie hat er angefangen? Wie können wir ihn aufhalten? Warum können weltweite massive Mobilisierungen ihn nicht aufhalten? Wenn Apelle an die Mächtigen nichts bewirken, was können wir denn noch tun?

In ihren Worten: "Wir sind nicht hier um euch 500 Jahre Widerstandsgeschichte zu erzählen. Die Zeit im Film ist zu knapp dafür. Aber was wir tun können, ist euch ein paar Fenster öffnen und euch einen Einblick zu geben, in das Leben verschiedener Menschen mit denen wir diesen Planeten teilen."

Die Begegnungen bleiben im Rahmen eines Films kurz, und liefern nicht genügend Hintergrundinformation über den Ursprung der Konflikte. Sie hinterlassen meistens Fragen, Neugier und das Bedürfnis mehr über diese Menschen und ihren Kontext zu erfahren. Wir können nur hoffen, dass der Film Menschen dazu bewegen wird sich weiter zu informieren. [2]

Die Bilder sprechen oft für sich, sie inspirieren, sie berühren, sie tun weh. Doch sie sind nicht ideologisch belastet. Im Film wird nicht nach Schuldigen gesucht oder Hass irgendwohin kanalisiert. Im Vordergrund steht meistens die menschliche Erfahrung der Unterdrückung und des Widerstands. In Chiapas wird uns beispielsweise das Bild eines Soldaten gezeigt. Sein Gesicht ist mit Schlamm verschmiert, den die Indigenas beim Versuch die Armee aus ihrem Land zu vertreiben auf ihn geworfen haben. In seinen Augen ist Angst und Orientierungslosigkeit zu erkennen..... mensch kann ihn einfach nicht hassen.

Israel / Palästina

Der Film gibt jeweils nur kurze Einblicke in verschiedene soziale Konflikte und liefert nur wenig Hintergrundinformation über den Ursprung der Konflikte. Besonders im Falle des Israel / Palästina Konflikts hat das Konsequenzen und stellt eine Schwäche im Film dar. Die Ausblendung des Ursprungs und der vielen anderen Seiten dieses extrem polarisierten Konfliktes bewirken eine einseitige Darstellung. Dieser Konflikt kann nicht einfach so ohne weiteres in den anderen sozialen Auseinandersetzungen (Korea, Chiapas, Argentinien, Südafrika, Genua etc) eingegliedert werden. Er hat eine andere Qualität und einen anderen Ursprung. Es ist verkürzt zu suggerieren, dass israelische Panzer Neoliberalismus durchsetzen wollen oder steinwerfende Kinder in Palästina sich gegen Freihandel wehren.
Globales Filmemachen

"Der Vierte Weltkrieg ist ein Film, der zu einem anderen Zeitpunkt in der Geschichte undenkbar gewesen wäre. Er wurde in und durch ein globales Netzwerk sozialer Bewegungen produziert, das es vorher nicht gab. Dieses Netzwerk spricht eine gemeinsame Sprache des Widerstands und hat ein tiefes Gefühl der Verbundenheit. In zwei Jahren haben wir auf fünf Kontinenten gefilmt. Wir konnten sofort intime Beziehungen zu Bewegungen und Menschen aufbauen und die große kulturelle und geographische Distanz überbrücken."
- Co-Produzentin Jacqueline Soohen

Der Film ist also ein weiterer Filmbeitrag innerhalb einer weltweiten Vernetzung von Medienprojekten. Die sozialen Bewegungen konnten den verbesserten Zugang zu neuen Kommunikations- und Medientechnologien in ihre politische Praxis erfolgreich integrieren. Heute existieren weltweit unzählige unabhängige Medienzentren (indymedia) [3], die eigentlich nur die Spitze des Eisbergs darstellen, was diese politische Praxis angeht.
Bilder der Konfrontation und Kriegslogik in den sozialen Bewegungen.

Militanz und defensive Bewaffnung, wie die der Zapatistas, waren in den letzten Jahren schon immer in den sozialen Auseinandersetzungen präsent.

Im Film werden vielfältige Widerstandsmittel präsentiert: geballte Fäuste und Wortgefechte gegen Soldatengewehre in Chiapas, kollektiver Gesang gegen Knüppel und Räumungen in Südafrika, Steinhagel und Molotovcoktails gegen Tränengasbombardements in Südkorea, militante Barrikaden von Argentinien bis Genua usw. Militanz, Bewaffnung und Tote im Widerstand sind viel präsenter geworden im Vergleich zu den letzten Jahren. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass die Auseinandersetzungen sich weltweit verschärfen.

Oft beeindrucken uns im Film die Bilder harter Konfrontationen auf den Straßen wegen ihrer Spektakularität. Doch diese dürfen nicht die alltäglichen Kämpfe wie etwa Landbesetzungen, Aneignungen von privatisiertem Wasser, Streiks, Kundgebungen oder die reproduktive Grasswurzelarbeit verdrängen auch wenn diese weniger spektakulär sind.

In sozialen Bewegungen entsteht oft ein positiver Bezug auf den Begriff "Krieg". Auch wird die militante und kämpferische Ästhetik gerne in den Vordergrund gestellt. Dieses Vorgehen mag zum Teil verständlich sein, aber es birgt Gefahren und spiegelt auch ein patriarchalisches Denkmuster.

Wir müssen aufpassen, dass solche Bilder uns nicht auch in eine Kriegslogik verwickeln, und dass wir eine solche nicht in die sozialen Bewegungen hineintragen. Mensch erinnere sich, wie im Vorfeld der Mobilisierung gegen den G8 Gipfel 2001 in Genua verschiedene Gruppierungen dem G8 Gipfel den Krieg erklärt hatten. Die massiven Gegengipfelmobilisierungen haben eine riesige Aufrüstung seitens der Staaten hervorgerufen. Hier besteht die Gefahr für soziale Bewegungen, auf ein militärisches Terrain gelockt zu werden auf dem die Staaten überlegen sind. Wer sich in einer kriegerischen Auseinandersetzung begreift, wird selbst ein Stück weit wie die Gegenseite werden.

Emanzipation und Befreiung aus den herrschenden Verhältnissen wird vorrangig nicht durch eine entscheidende Schlacht mit der Polizei kommen, sondern eher durch Tausende kollektiver Aktionen der Rebellion und des Ungehorsams; und durch den Einsatz unserer Kreativität zur Schaffung einer neuen Welt.
Der Vierte Weltkrieg - Heute

Eine wichtige Frage gilt es noch zu besprechen: Sind die heutigen kriegerischen Auseinandersetzungen Teil von diesem Vierten Weltkrieg ? Ist der Begriff "der Vierte Weltkrieg" in der Welt nach dem 11.September noch relevant ?

Ein Kernpunkt der neoliberalen Strategie ist die Verschärfung der Konkurrenz in der Wirtschaft und in den Gesellschaften. Die Konkurrenz sorgt dafür, dass sich der ökonomisch Stärkere durchsetzen und ausdehnen kann. Der Druck konkurrenzfähig zu sein sorgt dafür, dass überall so billig wie möglich produziert wird, dass Löhne weltweit runtergedrückt werden, dass Arbeitsplätze rationalisiert werden und Arbeitnehmer sich gegenseitig bekämpfen statt zusammenzuhalten, dass Solidarität durch Ellenbogenmentalität ersetzt wird, dass ganze Produktionsstandorte und Bevölkerungen gegeneinander ausgespielt werden usw.

Während sich im Dritten Weltkrieg die Konfrontation zwischen Kapitalismus und Sozialismus auf diversen Terrains und mit unterschiedlicher Intensität abspielte, sieht das Bild im Vierten Weltkrieg noch komplexer aus.

In Zeiten eines weltweit liberalisierten Weltmarktes, verschärfen sich die Handelskriege und die Kämpfe um Einflusssphären zwischen ökonomischen Mächten und konkurrierenden Interessengemeinschaften, die alle um ihren Platz in der Weltwirtschaft ringen. Wenn nötig greifen sie zu militärischen Mitteln um ihre Interessen durchzusetzen. Krieg ist im Prinzip ein verschärfter Ausdruck von Konkurrenz und Kapitalismus.

So waren die Anschläge des 11. Septembers und der Krieg gegen Afghanistan und den Irak auch Ausdruck dieser Auseinandersetzungen. Al-Kaida und der islamische Fundamentalismus sind im Prinzip die Kriegsinstrumente verschiedener ökonomischer Interessen der Erdölindustrie aus dem arabischen Raum, die auf diese mörderische Art und Weise ihren Platz auf dem Weltmarkt erkämpfen will. Mit Emanzipation hat das absolut nichts zu tun. [4]

Doch die Anschläge des 11. September 2001 stellen ohne Zweifel einen Wendepunkt dar. Diese und der "Krieg gegen den Terror" tauchen im Film etwas verwirrend auf. Genau so verwirrend, wie sie in der Realität - knapp 2 Monate nach der Mobilisierung in Genua - aufgetreten sind.... Schlag auf Schlag.

Die Welt und auch die sozialen Bewegungen wurden nach dem 11.9 in eine Art Schockzustand versetzt. Ein neuer ideologischer Rahmen wurde ausgerufen, der sich seit dem über den ganzen Planeten erstreckt: Der "Krieg gegen den Terrorismus".

An dieser Stelle zeigt sich die Hauptschwäche eines politischen Diskurses, der sich bloß gegen Neoliberalismus richtet und sich undifferenziert auf "Krieg" bezieht : nämlich die offene Flanke für nationalistische oder regionale Interessen. Nationalismus oder Regionalismus erweisen sich als völlig kompatibel mit dem Neoliberalismus und mit der Logik der Konkurrenz. Nationalistische Diskurse oder Diskurse zum Schutz des lokalen Standorts instrumentalisieren oft soziale Bewegungen indem sie von den lokalen Ausbeutungsverhältnissen ablenken und das Übel in ausländischem Kapital oder in ausländischen Mächten ausmachen.

Die Welt wird in diesen Tagen zu einem komplexen Gebilde, wo es nicht immer nachvollziehbar ist wie die Interessenlinien verlaufen, und welche Interessengemeinschaften am Werk sind. Nach dem 11. September und mit dem Krieg gegen den Irak wurde mit dem "Krieg gegen den Terror" versucht, einen ideologischen Rahmen zu schaffen, der es ermöglichen soll alles mit dieser Konkurrenzlogik zu begreifen und die Leute auf die eine oder die andere Seite zu ziehen. ("Entweder ihr seid mit uns oder gegen uns." - Bush).

Alle, die für eine gerechte Welt kämpfen, für Emanzipation und gegen Unterdrückung, dürfen sich nicht in dieser vorgegebenen Polarisierung zwischen den großen Bomben der Industriestaaten und den kleinen Bomben regionaler Nationalisten oder Fundamentalisten aufreiben lassen.

Die Neoliberale Ideologie fordert im Extremfall eine Konfrontation von allen gegen alle, eine Art permanenter Kriegszustand, der keine positive Vorstellung der Zukunft zulässt. Sie hinterlässt eine ewige Gegenwart, die aus Konkurrenz, Krieg im Alltag und in der Welt besteht.

Es ist nun die Aufgabe der globalen sozialen Bewegungen ihre politischen Diskurse für die Zukunft zu schärfen und sich von diesem Schockzustand zu erholen, um einen Ausweg aus dieser vorgegebenen Polarisierung nach dem 11.9. zu finden. Wir dürfen unsere eigene Geschichte nicht aus den Augen verlieren und den Weg, der mit dem zapatistischen Aufstand eingeschlagen wurde, nicht ohne weiteres verlassen.

Der Krieg ist ein Massaker von Leuten, die sich nicht kennen, zum Nutzen von Leuten, die sich kennen, aber nicht massakrieren. (Paul Valéry)

[1] Der Titel stammt aus dem Buch von Francis Fukuyama
[2] Auf unserer Homepage findet ihr Texte und Links zu den im Film erwähnten Konflikten
[3] heute existieren über 150 indymedia centers auf der ganzen Welt. Die globale Seite ist unter www.indymedia.org abrufbar.
[4] Eine gute Analyse zu diesem Thema schrieb George Caffentzis im Text "warum diese Verzweiflung?" 2001
von Cine Rebelde - Samstag 12 April, 2008
Zitate zum Film "Der vierte Weltkrieg"

"ein radikaler Schrei aus den vordersten Fronten des Krieges gegen die Menschen" Naomi Klein, Autorin von 'No Logo!'

"Inspirierend. Unverzichtbar. Dokumentiert die Geschichte der Zukunft, bevor diese geboren ist" Peter Wintonick, Point of View Magazine Kanada

"Ich denke Der Vierte Weltkrieg sollte in der gegenwärtigen Zeit im Mittelpunkt der politischen Bildung linker Aktivisten stehen. Er ist wirklich so gut." Van Jones, esq., National Executive Director - Ella Baker Zentrum für Menschenrechte
von Cine Rebelde - Samstag 12 April, 2008
Die FilmemacherInnen

Jacqueline Soohen und Richard Rowley sind Mitglieder von Big Noise Tactical Media, einer Gruppe radikaler MedienaktivistInnen mit Sitz in New York.

Ihre bahnbrechenden Filme, Zapatista (1998), Black and Gold (1999) und This Is What Democracy Looks Like (2000), haben Preise auf unzähligen Filmfestivals von New York, Toronto, Los Angeles bis Berlin, Seoul und Bogota gewonnen. Sie haben ebenfalls Fernseh- und Videoberichte aus den Frontlinien sozialer Kämpfe rund um den Globus produziert.

Als Gründungsmitglieder des Video Teams des Unabhängigen Medienzentrums (indymedia), haben sie 1999 zum historischen Zusammenschnitt der täglichen Videoübertragungen der WTO Proteste in Seattle beigetragen. Sie haben für Nationale Fernsehsender und Nachrichtenprogramme aus Argentinien, Afghanistan, Irak, Mexiko, Ecuador, Brasilien, Ost Timor, Süd Afrika und Palestina berichtet, wo sie die einzige Mediengruppe waren, die die Belagerung der Geburtskirche in Bethlehem durchbrach.

Durch die Arbeit mit Indymedia und Big Noise haben sie dazu beigetragen eine breites Verteilungsnetzwerk aufzubauen, dass über 200 Medienzentren in jedem Kontinent einschließt, die Millionen Mal pro Tag abgerufen werden. Diese verteilen mehrere Zehntausend Videos pro Jahr und organisieren Hunderte Filmvorführungen, die unzählige Menschen erreichen.
von Cine Rebelde - Samstag 12 April, 2008
Produktionsnotizen
Eine neue Welt und eine neue Art des Dokumentarfilms

„Der Vierte Weltkrieg ist ein Film, der zu einem anderen Zeitpunkt in der Geschichte undenkbar gewesen wäre\", sagt Co-Produzentin Jacqueline Soohen. „Er wurde in und durch ein globales Netzwerk sozialer Bewegungen produziert, das es vorher nicht gab. Dieses Netzwerk spricht eine gemeinsame Sprache des Widerstands und hat ein tiefes Gefühl der Verbundenheit. In zwei Jahren haben wir auf fünf Kontinenten gefilmt. Wir konnten sofort intime Beziehungen zu Bewegungen und Menschen aufbauen und die große kulturelle und geographische Distanz überbrücken.

Der Krieg 'on the ground'

\"Der Vierte Weltkrieg wurde an den Frontlinien sozialer Auseinandersetzungen aufgenommen, wo die Mainstream-Medien nicht hingehen\", sagt Richard Rowley. „Im Fernsehen sehen wir den Krieg aus der Ferne - aus der Perspektive der Armee und der Polizei. Satelliten-Bilder, Videos von Luftangriffe und Panzerkolonnen - im Fernseher sehen wir die Menschen, um die es geht durch das Fadenkreuz der Militärmaschinerie. Und die Stimmen, die über diese Konflikte erzählen, sind sogenannte 'Experten' aus Militär und Politik, die weit vom Kriegsgeschehen entfernt sind. Die Art und Weise wie über Krieg berichtet wird, schafft eine Distanz zwischen dem Betrachter und den Menschen, die angegriffen werden.\"

\"Der Vierte Weltkrieg ist ein Versuch, diese politische und kulturelle Entfernung zu überbrücken und es uns zu ermöglichen, eine menschliche Verbindung zu diesen Konflikten herzustellen, auch wenn diese Tausende Kilometer entfernt sind. Unsere Kamera nimmt am Geschehen teil - sie berichtet nicht über die Kämpfe und die Gemeinschaften von außen, sondern taucht das Publikum mitten in den Konflikt. Wir schauen in den Gewehrlauf von M16 und durchbrechen Soldatenketten in den Bergen. Wir sind auf Barrikaden und laufen durch in Tränengas erstickte Straßen. Wir werden im Trümmerhaufen des Flüchtlingslagers in Jenin von Israelischen Panzern beschossen. Wir sehen uns dem Leben und Tod näher, als es uns die Mainstream-Medien jemals erlaubt sein wird. Wir fühlen die Menschlichkeit der Menschen auf der anderen Seite des Bildschirms.\"

Filmemachen an vorderster Front

Die Direktheit und Intensität des Filmmaterials von der Vierte Weltkrieg kommt jedoch nicht ohne Risiko zustande. Während der Produktion wurden Soohen und Rowley zusammengeknüppelt, haben Pfefferspray abbekommen und ihre Kameras wurden in Genoa, Washington D.C, Genf und Quebec zerstört. Sie wurden in Italien, Bagdad, Israel, Genf und Südafrika verhaftet (in Südafrika wurde Soohen von AktivistInnen schnell wieder befreit). Die dramatischste Erfahrung der Filmproduktion fand im Mai 2002 statt, als Jacqueline Soohen mit einer Gruppe von 10 AktivistInnen die Belagerung der Geburtskirche in Bethlehem durch die Israelische Armee durchbrach, und es ihr gelang, an den Panzern und den Scharfschützen mit Lebensmitteln und einer Videokamera vorbei zu kommen. Sie war die einzige mit einer Kamera in der Kirche und hat Dutzende Stunden Material gefilmt während die Scharfschützen draußen bereit standen und mit ihren Infrarotvisieren Kugeln durch die Türen schossen.

Nach zwei Wochen in der Kirche, wo sie von Zitronenblättern und Lampenöl gelebt hatte, wurde sie von Israelischen Soldaten verhaftet und ins Gefängnis gebracht, wo sie 14 Tage in Hungerstreik trat. Ihr Filmmaterial wurde von der Israelischen Armee beschlagnahmt. Diese verkaufte Auszüge davon an einen Produzenten der BBC.

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